„Mein Job macht mir Spaß.“ -  In welchen Zusammenhang würde dieser Satz passen?

Geht es um

a) eine Vollzeitstelle als Versicherungsmitarbeiter?

b) eine Ferientätigkeit zum Geldverdienen für Schüler?

c) eine Tätigkeit als selbständiger Musiker?

d) eine Nebentätigkeit abends in einer Bar, zusätzlich zum Hauptberuf?

e) eine Beamtenstelle als Gymnasiallehrer?

f) die Arbeit der Bundeskanzlerin?

 

Die Lösung: Alle Möglichkeiten sind im heutigen Sprachgebrauch denkbar. Job ist ein Anglizismus mit breitem und schillerndem Bedeutungsspektrum. Es geht um eine Arbeit, und es geht ums Geldverdienen – ansonsten sind beim Gebrauch von Job kaum Einschränkungen vorgegeben.

Das war allerdings nicht immer so. Ursprünglich hatte Job – ein Wort, das laut Anglizismen-Wörterbuch von Carstensen/Busse schon weit vor dem Zweiten Weltkrieg im Deutschen Verbreitung fand – eine sehr viel engere Bedeutung: Job bezeichnete eine vorübergehende Arbeit, eine Nebentätigkeit, eine ungelernte oder Schülertätigkeit, all dies meist schlecht bezahlt. Auch eine abwertende Nuance war in Job enthalten. Arzt, Pfarrer, Lehrer, Bankdirektor – all dies war kein Job. Job zeigte sich somit klar abgegrenzt vom Beruf, auch von Begriffen wie Arbeitsplatz oder Festanstellung.

Heute sind diese Grenzen verschwommen. Das Deutsche hat sich damit dem Englischen angenähert. Zwar wird Job im Duden (noch) als „umgangssprachlich“ gekennzeichnet und ältere Leute sind (noch) zurückhaltend mit dem Ausdruck Job. Allgemein im Sprachgebrauch hat Job aber das komplette Arbeitsleben durchdrungen und seinen abwertenden Charakter abgelegt. Im Gegenteil: Job klingt flott, zwanglos, auch souverän.

Es könnte durchaus sein, dass dies auch durch die allgemeinen Veränderungen in der Arbeitswelt gestärkt wird. Aufs Ganze gesehen sind berufliche Laufbahnen längst nicht mehr so stringent und vorgezeichnet wie noch vor einigen Jahrzehnten. Vielleicht spiegelt sich auch dies in der Entwicklung von Job wider. Alternative Ausdrücke wären im Deutschen durchaus vorhanden: Beruf, Stelle, Tätigkeit, berufliche Tätigkeit, Arbeit, Arbeitsplatz, (Fest-)Anstellung. Man kann also im Deutschen durchaus differenzieren. Vermutlich ist aber genau das Attraktive am Job seine Unverbindlichkeit. Egal, was man beruflich macht oder wie viel man dafür bezahlt kriegt, ob Nebenjob, Fulltime-Job, Studentenjob, Home-Office-Job, Job als Selbständige(r) – Job klingt immer akzeptabel. Jobcenter oder Jobbörse helfen dabei, den Traum- Job zu finden.

Interessant ist aber, dass das zugehörige Verb dem nicht gefolgt ist: jobben ist mit der früheren, eingeschränkteren Bedeutung von Job konform. Man kann nicht als Arzt, als Lehrer, Pfarrer oder Bankdirektor jobben.

jobben ist damit auch deutlich markanter in der Bedeutung und die Suche nach einem Äquivalent gestaltet sich schwieriger. jobben ist nicht gleichbedeutend mit arbeiten, es hat den zusätzlichen Aspekt des Kurzfristigen, Befristeten und/oder der Nebentätigkeit und/oder einer Tätigkeit, die persönlich nicht erfüllend ist und zum Zweck des reinen Geldverdienens ausgeübt wird. Dies kann im Deutschen kaum mit einem einzigen Wort ausgedrückt werden.

Es bleibt spannend, ob auch das Verb eine weitere Bedeutungsveränderung durchmacht oder nicht.