antörnen - anturnen: Knifflig wird es beim schriftlichen Gebrauch!

antörnen: Auf jeden Fall ein Wort aus der Umgangssprache und im Mündlichen sicherlich häufiger gebraucht als im Schriftlichen. antörnen fügt sich im Mündlichen geschmeidig ins Deutsche ein, die Formenbildung ist problemlos möglich: ich törne dich an, du törnst mich an, er/sie/es törnt ihn an …; es törnte sie an, es wird ihn antörnen, es hat ihn angetörnt …

antörnen steht außerdem nicht alleine auf weiter Flur, sondern kennt die verwandten Formen abtörnen, Anturner und Abtörner.

Knifflig wird es erst, wenn diese Ausdrücke geschrieben werden sollen.

antörnen – wirklich mit „ö“? „Kannst du kein Englisch?“, so der herablassende Kommentar in einem Internetforum. Manch einer mag ins Stocken geraten: Wirkt „antörnen“ ungebildet? Ist es falsch? Darf man mit englischen Worten im Deutschen einfach so umgehen, sie ausgerechnet mit einem Umlaut (mit einem „ö“, das es im Englischen ja nicht gibt) verändern?

Also dann doch eher anturnen? „Das turnt mich voll an.“ – Wer turnt hier? Die Version mit „u“ stößt im Schriftlichen seltsam auf. Und wenn man sie genauer betrachtet, erscheint sie auch unsinnig. anturnen in dieser Schreibweise ist eine inkonsequente Mischform, da die Vorsilbe „an-“ ja ohnehin schon eine Eindeutschung bedeutet. Warum dann also nicht gleich auch die Schreibung ans Deutsche anpassen? Um auf die oben erwähnten Bedenken und Einwände gegen diese Form einzugehen: Selbstverständlich darf man englische Wörter verändern, wenn sie im Deutschen gebraucht werden, denn dann sind es Wörter des Deutschen! Mit antörnen haben wir sogar ein wunderbares Beispiel, wie die Integration eines Fremdworts gelingen bzw. sinnvoll vonstatten gehen kann – nicht zuletzt, da mit dem alten Wort Törn nach dem englischen Vorbild turn (aus der Seemannsprache) bereits der Weg für antörnen gebahnt war. (Die großen Wörterbuchverlage Duden und Wahrig haben sich derzeit übrigens noch nicht für eine Variante entschieden, nach dem Wörterbuch sind also beide korrekt.)

„Nötig“ im Sinne der reinen kontextunabhängigen Bedeutung ist antörnen im Deutschen nicht. Es gibt viele Wörter, die als Alternativen in Frage kämen, z. B. in Stimmung bringen, (sexuell) anheizen, begeistern, scharfmachen, aufdrehen, erregenantörnen steht mal eher für das eine, mal eher für das andere, oder es vereinigt Elemente all dieser Ausdrücke. Es ist umgangssprachlich, es ist beliebt bei jungen oder nicht mehr ganz jungen Leuten – und wenn man all diese Faktoren zusammennimmt, ist es ein Anglizismus, der durchaus antörnt.